Es ist ein Eindruck, als käme man in einen unendlich grossen, von allen Seiten mit ebenso unendlich langen Bewässerungskanälen durchzogenen Garten, wenn man – aus südlichen Ländern kommend – zum ersten Mal die Landschaft betritt, die Aller, Leine und Weser nahe ihrer Zusammenflüsse bilden.

Und erst langsam, im Vergehen von Wochen oder Monaten, und im unermüdlichen Nachforschen, wird einem dann klar, dass dieses Land uraltes Besiedlungsgebiet ist. Keines, das durch spektakuläre Grösse, und schon gar keines, das durch herausragende Geschwindigkeit oder gar „kolossale“ Bauwerke römischer, griechischer oder orientalischer Art besticht. Sondern es ist eine Landschaft, die Kraft und Schönheit oft im Verborgenen und zu besondern Zeiten vermittelt. Und erst später kann man vielleicht doch grosse Bauten und herausragende Persönlichkeiten und deren bisweilen „hervorragende“ Zeiten und Taten entdecken.

Und sieht man dann – nochmals später – abermals genauer hin, dann kann man entdecken, dass sich hier deutsche Geschichte in allen Facetten gespiegelt hat. Gespiegelt in all den vielen Jahrhunderten, die man zu dieser Geschichte des heutigen Deutschland noch dazuzählen darf.

So wäre es unlauter, etwa die eiszeitlichen und nacheiszeitlichen Siedler teilweise unbekannter Herkunft unmittelbar zu der Geschichte unseres Landes hinzurechnen zu wollen. Und ebenso darf man diejenigen Zeiten, in denen eine Vielzahl meist germanischer, aber im Osten auch slawischer Stämme das Land der Aller, Leine und Weser durchzogen, noch getrost zu der Vorzeit unserer eigenen Geschichte rechnen.

Aber spätestens seit die Sachsen und die Franken sich im weiten Raum um die Niederungen, die heute den Heidekreis und die Länder an der Weser ausmachen, und seit die Friesen als Siedler im Norden dieses Gebiet berührten und es von Westfalen auf dem Weg nach Osten durchzogen wurde, seit diesen Tagen darf man von einer geschichtlichen Epoche sprechen, die „damals“ begann und in deren Fortwirken wir uns heute noch wiederfinden.

Im Zusammenwirken mit den grossen Strömungen des alten deutschen Reiches mit den vielen regionalen, ja lokalen Ereignissen in der Region Aller-Leine-Weser gibt es aber eine Phase, die – wenn man genau hinsieht – wie eine Morgendämmerung der Zeit wirkt, in der wir heute noch leben.

Und wollte man es wirklich nach Jahreszahlen exakter eingrenzen, dann ist es wohl die grosse Zeitspanne von rund drei Generationen, die zwischen dem ausgehenden 12. Jahrhundert und in etwa dem Jahr 1300 lebten.

Dieser Zeit, dieser Morgendämmerung der Heide- und Flusslandschaften an Aller, Leine und Weser, den „Kindertagen der Region und des mittelalterlichen Reiches: 770 Jahre vor unserer Zeit“ wollen wir uns mit unserer kleinen Webseite widmen. (PM)